Im vergangenen Sommersemester 1993 konnten drei Vortragende aus Brno/Mähren und Hemmenhofen/Baden-Württemberg eingeladen werden. So erfuhren wir Näheres über die linearbandkeramischen Steingeräte von Frau Mag. Inna Mateiciucová und einige Hypothesen zu den astronomischen Gegebenheiten des Sternenhimmels in der Zeit des Mittleren Neolithikums von Univ.-Doz. Dr. Zdenek Weber, dessen Vortrag zu einer breiteren Diskussion geführt hatte. Sicherlich ein Höhepunkt der letztjahrigen Veranstaltungen war der didaktisch ausgezeichnete und fur die kurze Zeit umfassende Vortrag von Dr. Helmut Schlichtherle über die neuesten Untersuchungen in den jungsteinzeitlichen und fruhbronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen in Südwestdeutschland. Nach einer anregenden und interessanten Diskussion, die beinahe noch knapp eine weitere Stunde wertvolle Informationen über die südwestdeutsche Pfahlbauforschung brachte, konnten wir Herrn Dr. Schlichtherle zu einem Heurigen einladen. An das ausführliche Postkolloquium werden sich sicherlich noch die damals anwesenden Kolleginnen und Kollegen positiv erinnern.

Für das Wintersemester 1993/94 wurde eine mehrtägige Exkursion vorbereitet, die uns die Urgeschichte des Trientiner Raumes näher brachte. Am Samstag. dem 30. Oktober '93, trafen wir, d.s. 27 Teilnehmer, nach einer ganztägigen Anreise abends in Trento ein und konnten in einem angenehmen Hotel Quartier beziehen. Am Sonntag begannen wir unser ausführliches Besichtigungsprogramm mit dem Besuch des Naturhistorischen Museums von Trento, wo uns Frau Dr. Annaluisa Pedrotti, die uns das ausführliche Programm liebenswürdigerweise zusammengestellt hatte, eine informative Führung gab. So hatten wir die Gelegenheit beispielsweise die mesolithische Bestattung von Vatte di Zambana und die hervorragenden Funde von der Fundstelle von Riparo Gaban zu besichtigen. Anschließend fuhren wir ins Castel Beseno, wo wir die hervorragend gemachte Ausstellung über die Menhire des oberitalienischen Raumes besuchten, die ja von Dr. Pedrotti zusammengestellt worden war. Am späteren Nachmittag hatte ein Teil der Exkursionsteilnehmer die Gelegenheit, das gut ausgestattete und neue Depot des Museums zu besichtigen. Dr. Pedrotti zeigte uns jüngst ergrabenes Fundmaterial der Vasi-a-Bocca-quadrata-Kultur/Phasen 1-3 aus lsera la Torretta. Am Montag, dem 1. November '93, führte uns die Exkursion in den weiteren Trientiner Raum. Als erstes besuchten wir Romagnano, wo sich mehrere Siedlungsphasen vom Mesolithikum bis zur Rätischen Kultur befanden. Die 8 m mächtige Stratigraphie konnte von Renato Perini 1968 ergraben werden. Leider bereits durch ein Basaltwerk abgebaut war die FundsteIle der dritten Phase der Vasi-a-Bocca-quadrata-Ku1tur von Isera la Torretta bei Rovereto, deren Fundmaterial am Vortag gezeigt worden war. Trotz Nieselregens konnten wir am Nachmittag die zwei berühmten frühbronzezeitlichen Feuchtbodensiedlungen von Ledro und Fiave besichtigen und teilweise durchwandern. Es war auf jeden Fall ein sehr authentischer Eindruck, den beide FundsteIlen bei den Exkursionsteilnehmern hinterließen. Den Abreisetag am Dienstag nutzten wir noch zur Besichtigung der für die Gaban-Kultur namengebenden Fundort Riparo Gaban. Hier konnten wir eine Stratigraphie vom Mesolithikum bis rur Mittelbronzezeit bewundern. Obwohl das Wetter teilweise etwas freundlicher hätte sein können, haben wir in den zwei Besichtigungstagen dank der hervorragenden Betreuung seitens Dr. Annaluisa Pedrotti sehr viel lernen und erfahren können.

Alexandra Krenn-Leeb

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 5/3, 1994.

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