Der Schwerpunkt der gemeinschaftlichen Tätigkeit des Arbeitskreises für Experimentelle Archäologie lag auch im vergangenen Jahr bei Experimenten zur Holzkohleher­stellung. Im Speziellen wurde die Funktion eines Rund­meilers und erstmals die eines Grubenmeilers untersucht. Die Durchführung dieser Experimente war nur durch die zahlreiche Beteiligung der Mitglieder sowie durch die freundliche Unterstützung des Freilichtmuseums Elsarn möglich. Erste Ergebnisse wurden bei einem im Rahmender ÖGUF abgehaltenen Vortrag präsentiert. Da der Arbeits­kreis bereits über 100 Mitglieder zählt, kann an dieser Stelle nicht im Einzelnen auf alle durchgeführten Experimente eingegangen werden, sondern nur einzelne kurz beschrie­ben werden. Während der Betreuung des Holzkohlenmeilers in Elsarn wurden zahlreiche Experimente zur Eisenverhüttung und Birkenteerherstellung sowie zum Formenbau für den Bron­zeguss durchgeführt. Letzteres fand im Rahmen einer Pro­seminararbeit zur Untersuchung von bergmännischen Ab­bautechniken im Salzbergbau statt, die bereits abge­schlossene Experimente und Proseminararbeiten ergänzt und weiterführt.

In diesem Zusammenhang ist die in den letzten Jahren zunehmende Anzahl an Proseminararbeiten im Bereich der experimentellen Archäologie zu betonen, welche die wissenschaftliche Akzeptanz sowie das große Aussagenpotential dieser Methode veranschaulicht. Vor allem die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien initiiert und unterstützt diese Untersu­chungen. An langjährigen Projekten konnten auch dieses Jahr die Kremationsexperimente in Kooperation mit der Prä­historischen Abteilung in Hallstatt erfolgreich fortgesetzt wer­den. Im Fachbereich Textil wurden im Rahmen der Lehrver­anstaltung „Experimentelle Archäologie“ für das Projekt von Frau Dr. Daniela Kern (Schnurkeramik im Traisental) Experimente zu den Schnurabdrücken durchgeführt. Dabei wurden Schnurproben verschiedener Rohmaterialien (Bast, Gras, Wolle, Flachs, Ross- und Menschenhaar) auf Ton­plättchen verschiedener Qualitäten und Oberflächenzu­stände (feine Tonqualität, mittel und grob gemagerter Ton / frische Oberfläche, lederharter Zustand und geglättete Oberfläche) abgedrückt. Das so gewonnene Referenz­material dient zur Eingrenzung von Fragestellungen nach dem Rohmaterial der auf den Originalen eingedrückten Schnüre, sowie nach dem Oberflächenzustand beim Ein­druck. Es konnte festgestellt werden, dass es sich bei den Schnüren auf schnurkeramischen Bechern wohl um Bast- oder Grasschnüre gehandelt hat.

Generell hat der AK experimentelle Archäologie in den letz­ten Jahren regen Zustrom vor allem an jungen Mitgliedern erhalten. Der Zusammenhalt und die Unternehmungs­freudigkeit bei der Durchführung von gemeinsamen Expe­rimenten und Exkursionen zur Materialabdeckung sind aus­gezeichnet, was zu einer hohen Motivation der Mitglieder führt. Dementsprechend plant der AK für das Sommer­semester 2009 wieder zahlreiche Unternehmungen und lädt alle Leser dazu ein, sich über aktuelle Experimente zu informieren und auch daran teilzunehmen.

Matthias Kucera

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 20/3, 2009, 6.

 

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