Im Laufe des Sommersemesters 2004 wurde von Birthe Haak einen Vortrag mit "Über jeden Dreck erhaben - Trippen, eine mittelalterliche Schuhform in der Praxis" gehalten, der gut besucht war.

Die Lehrveranstaltung "Experimentelle Archäologie" fand vom 30. Juni bis 3. Juli 2004 im Museum für Urgeschichte in Asparn an der Zaya statt. Die Arbeitsschwerpunkte wurden auf Produktion von Glasperlen nach latènezeitlichen Vorbildern, die Herstellung von Objekten aus Knochen, Horn und Hirschgeweih, Holzverarbeitung, Keramikverarbeitung, Eisenverhüttung nach einem frühmittelalterlichen Befund, Eisenverarbeitung sowie Kupferverhüttung nach spätbronzezeitlichem Vorbild gelegt. In Vorbereitung zur Lehrveranstaltung fand während der ersten Maihälfte ein Diavortrag statt, mit dem die Tutoren der Lehrveranstaltung ihre verschiedenen Arbeitsgebiete vorstellten, um den Teilnehmern der Lehrveranstaltung einen Einblick in die verschiedenen Fachbereiche zu geben. Dadurch sollte den Studenten bereits vor Beginn der Lehrveranstaltung die Möglichkeit geboten werden, sich mit den verschiedenen Lehrinhalten intensiv zu beschäftigen. Während dieser viertägigen Lehrveranstaltung waren auch Studenten aus Bamberg anwesend.

Während des am 3. und 4. August 2004 stattfindenden Keltenfestes in Mitterkirchen (OÖ.) wurden von Mitgliedern des Arbeitskreises die Handwerkstechniken Keramikverarbeitung, Glasperlenerzeugung sowie Eisen-, Holz-, Geweih- und Lederverarbeitung, Textilerzeugung und Nahrungsmittelwirtschaft präsentiert. Frau Katrin Kania von der Universität Bamberg zeigte in ihrem Vortrag "Archäologie mit Nadel und Faden - Möglichkeiten der Experimentellen Archäologie" verschiedene Trage- und Rekonstruktionsmöglichkeiten von mittelalterlichen Kleidungsaccessoires.

Im November wurde von Matthias Kucera ein Vortrag zum Thema "Das Experiment in der Archäologie" gehalten, der wie der vorangegangene sehr gut besucht war.

Am 18.  September wurden von Mitgliedern des Arbeitskreises während eines Tages der offenen Tür in Unterrabnitz (Bgld.) verschiedene Eisenverarbeitungs- und Verhüttungstechniken vorgeführt. Ebenso wie in den Jahren davor machten Mitglieder des Arbeitskreises während verschiedener Festveranstaltungen, wie in Mitterkirchen oder in Schwarzenbach, diverse Handwerkstechniken wie Holz-, Geweih-, Leder-, Eisen- und Keramikverarbeitung, Glasperlen- und Textilproduktion sowie Nahrungsmittelwirtschaft einem breitem Publikum zugänglich.  Im Mittelpunkt der experimentalarchäologischen Untersuchungen stand unter anderem die Rekonstruktion einiger Funde aus der Sammlung der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums. Dabei handelt es sich um einen Bundschuh aus Schweinsleder, um ein Handleder und um drei verschiedene Mützen aus dem Bergwerk von Hallstatt. Im Zuge dieser Arbeit wurden die Funde hinsichtlich ihrer Herstellungstechnik eingehend studieren. Der experimentelle Aspekt dieser Arbeit bestand vor allem in der Erprobung der angewandten Nähtechniken. Alle angefertigten Stücke sind im Museum in der "AIten Schmiede" in Hallstatt ausgestellt (Information bei Gabriela Popa, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Neben der Betreuung der Lehrveranstaltung in Asparn wurden die Versuche zur Herstellungstechnik urgeschichtlicher Keramik weitergeführt. Schwerpunkte waren die Technologie der rotschwarzen Hallstattkeramik und in Vorbereitung auf die Niederösterreichische Landesausstellung 2005 die Rekonstruktion von mittelneolithischer bemalter Keramik (Information bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). In einem weiteren Experiment wird versucht, den Produktionsablauf von Birkenteer zu rekonstruieren. In einer Vorversuchsphase wurde dieser in einer Blechbüchse hergestellt, um den Transformationsprozess zu beobachten und zu dokumentieren. In einem nächsten Schritt sollen in Annäherung an das archäologische Vorbild die Versuche mit Keramikbehältern fortgesetzt werden.

Weiters wurden Versuche hinsichtlich der Herstellung von Niello nach der Rezeptur und dem Verfahren von Theophilus Presbyter angestellt. Hierbei sollten die Diffusionsvorgänge des Niello in das Trägermaterial untersucht werden. Als erste Erkenntnis konnte festgestellt werden, dass bei der Herstellung eine hohe Schwefelzugabe erforderlich ist. Anschließend wurden Versuche zum Bau eines bronzezeitlichen Tragesacks aus Rohkuhhaut mit Stützhölzern aus Eschenholz nach dem von E. F. Barth beschriebenen Tragesack Nr. 5 aus dem Grünerwerk in Hallstatt unternommen. Die Haut wurde dabei lediglich mit Salz behandelt. Daraufhin wurden erste Trage- und Entleerungsversuche im Bergwerk Hallstatt unternommen. Zur Zunderherstellung wurden verschiedene Methoden der Zunderschwammbehandlung, nitriert/nicht nitriert, angekohlt/ nicht angekohlt getestet und das "Anglühverhalten" beobachtet (Information bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Weiters wurden Experimente zur Guss- und Verarbeitung verschieden legierter Bronzen durchgeführt, wobei vor allem verschiedene Treibtechniken im Vordergrund standen (Information bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Während der Lehrveranstaltung in Museum für Urgeschichte wurde erstmals ein tragbarer Glasofen gebaut und verwendet. Diese Konstruktion, ähnlich einem kleinen Kuppelofen mit eingesetztem Tiegel, hat sehr gut funktioniert. Mit diesem wurden die Vorversuche zur Glasperlenproduktion fortgesetzt (Information bei klaus.löDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Im Sommer 2004 haben Mitglieder des Arbeitskreises im Rahmen der Steirischen LandesausteIlung am Burgstallkogel bei Großklein mehrere Hausmodelle der Hallstattzeit aufgebaut. Den zentralen Kern der Anlage bildet ein großes Wohngebäude, ein Schwellenbau auf Unterlagssteinen, dessen Wände in einer kombinierten Block- und Ständerbautechnik ausgeführt wurden. Eine Rofen- und Lattenkonstruktion trägt ein Dach aus Spaltschindeln. Der Speicherbau steht auf Stelzen und wurde aus umseitig flächig überarbeiteten Konstruktionshölzern errichtet. Die Wände wurden mit flächig überarbeiteten Hölzern ausgefacht, das Satteldach mit Spaltschindeln aus Lärchenholz eingedeckt. In diesem Objekt sollen in der Hallstattzeit genutzte Getreide-, Gemüse-, Heil- und Färbepflanzen präsentiert werden. Das Webhaus wurde als Pfostenbau aus runden Eichenstämmen mit Flechtwerkwänden und Lehmverputz gebaut und mit einem Schilfdach ausgestattet. Unter einem Pultdach mit Rindendeckung auf Eichenpfosten wurde ein Brotbackofen aufgebaut.

Am Burgberg in Schwarzenbach wurden zusätzlich zu neben den vier bereits errichteten Hausmodellen (Wohnhaus, Speicherbau, Handwerkerhaus und Keramikwerkstätte) drei weitere aufgebaut. Beim ersten handelt es sich um ein großes Wohnhaus in Mischbauweise aus Block- und Ständerbautechnik mit Schindeldeckung. Ein im Vorjahr ergrabener Befund von Schwarzenbach diente als Vorlage für ein Stallgebäude in reiner Pfostenbauweise. Das Gebäude wurde mit Schilf eingedeckt, die Wände bestehen aus Flechtwerk, das mit Lehm verputzt wurde. Ebenfalls nach einem Befund des Vorjahres wurde ein kleines Backofenhaus in Pfostenbauweise mit Kuppelofen  rrichtet. Das Freilichtmuseum am Burgberg ist somit nahezu fertig gestellt und soll heuer anlässlich des kommenden Keltenfestes Schwarzenbach eröffnet werden.

In Vorbereitung der Niederösterreichischen Landesausstellung 2005 waren Experimentalarchäologen der Universität Wien damit beschäftigt, am Heldenberg bei Kleinwetzdorf im Weinviertel eine Kreisgrabenanlage mit doppelter Palisadenreihe sowie vier Gebäuden zu errichten, die sich an archäologischen Befunden aus Schletz orientieren. Eines dieser Gebäude wurde als Blockbau mit Firstpfetten- und Rofenkonstruktion ausgeführt und mit einem Schilfdach versehen. Drei weitere Häuser werden als Pfostenbauten errichtet (Information bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).

Mathias Mehofer

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 16/3, 2005, 5–6.

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