Im Studienjahr 1996 konnten im Rahmen unseres Arbeitskreises wiederum einige Veranstaltungen organisiert werden, die regen Zuspruch fanden.

* Höhepunkt war der über fünfstündiger (!) Workshop zur Paläopathologie am 4. Juni 1996, den Prof. DDr. Michael Schultz aus Göttingen für uns zusammenstellte. Seine Thematik "Skelette erzählen: Ergebnisse paläbpathologischer Untersuchungen" fand ein gewaltiges Echo und eine bemerkenswerte Konzentrationsfähigkeit unter den Teilnehmerinnen, so daß der Workshop letztendlich nur mit Rücksicht auf Prof. Schultz nach über 5 Stunden ein Ende fand.

* Am 13. Juni 1996 präsentierte uns gemeinsam mit dem AK Eisenzeit Doz. Dr. Wolfram Schier aus Bonn einen höchst interessanten Vortrag "Zur Problematik der Aufarbeitung umfangreicher Materialien am Beispiel der Vinca-Kultur". Seine Methoden und die daraus resultierenden Ergebnisse bei der Bearbeitung gewaltiger Fundmengen wurden uns spannend erläutert und erzeugten eine gute Diskussionsbasis. Vor allem die Umsetzung der Keramik auf den PC interessierten sehr.

* Weiters veranstalteten wir im Rahmen eines kleinen Workshops einen Besuch in den Restaurierungswerkstätten des BOA im Arsenal am 12. Juni 1996, wo wir einen mittelbronzezeitlichen Keramikdepotfund aus Baumgarten an der March besichtigten. Volker Lindinger als Bearbeiter zeigte uns diesen wertvollen Befund, der im Zuge einer Grabung der Abteilung für Bodendenkmale im Herbst 1995 dokumentiert werden konnte und den er im Rahmen seiner Diplomarbeit bearbeiten wird. Über 50 Gefäße, vor allem Tassen und Töpfe, konnten in beinahe fertig restauriertem Zustand begutachtet werden. Frau Dr. Zoja Benkovsky hatte sich uns interessiert angeschlossen.

* Am 29. Oktober 1996 hielt Dr. Williarn O'Brien aus Irland einen Vortrag über "Bronze Age Copper Mining in Britain and Ireland". Am Tag davor, am 28. Oktober, konnte er im Rahmen eines Seminars von Prof. Lippert einen Workshop über "Copper Age Metallurgy in Irland" abhalten, den wir gemeinsam mit unserem AK angekündigt hatten. Die sehr gut verständlichen englischen Vorträge brachten seine Forschungen über den kupfer- und bronzezeitlichen Bergbau näher. Die  Kupfererzvorkommen beeindruckten sehr.

* Einen höchst interessanten Vortrag präsentierte uns Dr. Jochen Görsdorf aus Berlin am 18. November 1996. Seine "14C-Altersbestimmungen im Berliner 14C-Labor. Erfahrungen - Ergebnisse - Projekte aus archäologischer Sicht" setzten die uns geläufigen 14C-Daten in ein anderes, wesentlich verständlicheres Licht und so manche Ungereimtheit über diese Problematik konnte in ansprechender Weise geklärt werden. Dieser Vortrag konnte gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum, Prähistorische Abteilung (DDr. Peter Stadler), veranstaltet werden.

* Für den 28. November hatten wir Dr. Diether Kramer vom Steirischen Landesmuseum Joanneum und Mag. Jörg Obereder eingeladen, über ihre "Ersten Ergebnisse der Ausgrabungen am Wildoner Schloßberg, Steiermark (Neolithische, bronzezeitliche und eisenzeitliche Siedlungen)" zu referieren. Leider mußte Mag. Obereder der Veranstaltung wegen Krankheit fernbleiben, so daß Dr. Kramer lediglich einen Überblick über Obereders Ergebnisse vermitteln konnte.

* Während des Semesters besichtigten wir mit den jungen Studentinnen deren Proseminararbeiten, so z. B. spätneolithisches Siedlungsmaterial aus Steinbach an der Steyr (Pieslwang) in OÖ. (Elisabeth Schamberger) oder mehrheitlich frühbronzezeitliches Siedlungsmaterial von Falkenstein in NÖ. (Franz Pieler). Diese Aktivitäten sollen vor allem in den nächsten Semestern forciert werden.

Mit diesem Bericht möchte ich meine langjährige Funktion als Sprecherin des AK Neolithikum/Früh- und Mittelbronzezeit aus terminlichen Gründen beenden. Wir haben am 22. Jänner 1997 zwei Nachfolger gewählt: es sind dies Oliver Schmitsberger, der seine Diplomarbeit über den spätneolithischen Abschnittsgraben von Strögen, NÖ. verfaßt, und Heinz Gruber, der die mittelbronzezeitlichen Bestattungen in Oberösterreich aufarbeitet. Damit wären beide Zeitperioden in guten Händen aufgehoben. Bei diesem Treffen wurden auch schon einige Ideen für das heurige Studienjahr besprochen. Ich bedanke mich sehr herzlich bei all jenen, die immer so zahlreich an den Treffen unseres Arbeitskreises mitgewirkt haben und hoffe, daß sie weiterhin unserem Team treu bleiben.

Alexandra Krenn-Leeb

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 8/3, 1997, 89.

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