Im Sommersemester 2000 fand am 24. Mai als Vorbereitung zur Lehrveranstaltung Experimentelle Archäologie ein Diavortrag statt. Ziel dieses Diavortrages war es zum einem, dass die Tutoren der verschiedenen Fachbereiche ihr Arbeitsgebiet vorstellten und dadurch die Teilnehmer der Lehrveranstaltung einen ersten Eindruck der verschiedenen Themengebiete bekommen konnten. Zum anderen war dadurch den Studenten bereits vor Beginn der Lehrveranstaltung die Möglichkeit gegeben, sich mit den verschiedenen Lehrinhalten zu beschäftigen. Die Lehrveranstaltung fand vom 3. bis 5. Juli unter der Leitung von Helmut Windl im Museum für Urgeschichte in Asparn/Zaya statt. Schwerpunkte waren die Keramikproduktion, Eisenverhüttung nach einem frühmittelalterlichen Befund, Eisenverarbeitung, Guss von Bronzeobjekten in verlorenen Formen, Herstellung von Objekten aus Horn und Hirschgeweih, Produktion von Glasperlen nach latenezeitlichen Vorbildern sowie Lederherstellung und Verarbeitung. Glas wird sowohl hinsichtlich seiner Herstellung als auch seiner Verarbeitung experimentalarchäologisch untersucht. Primär werden dabei Gläser bzw. Glasverarbeitung der vorrömischen Eisenzeit rekonstruiert. Da archäologische Befunde dazu aus dieser Zeit weitgehend fehlen, könnten diese Experimente wichtige Hinweise für die zukünftige Auffindung prähistorischer Glasöfen liefern. Einen weiteren Versuchspunkt stellt die Rekonstruktion textiler Techniken dar, besonders die Grundaufbereitungsarten - vom Rohmaterial zum Faden. Neben Spinn-, Dreh- und Flechttechniken werden auch verschiedene Webtechniken erforscht. Zur Lederherstellung wurden verschiedene Methoden der Gerbung und Pergamentherstellung versucht. Ausgangsmaterial war jeweils ein gesalzenes Ziegenfell. Bei den Gerbarten handelt es sich um Hirngerbung, Vegetabilgerbung mit Eichenrinde und Alaungerbung. Nach der Gerbung wurden die Lederstücke getrocknet, mechanisch weich gemacht und anschließend gefettet. Das Pergament wurde mit einfachen Hilfsmitteln bearbeitet, wobei das überraschend gute Endprodukt noch auf eine Schriftprobe hin gepruft wird.

In den Monaten September und Oktober wurde das Freilichtmuseum in Elsarn bei Straß im Straßertal weitgehend fertiggestellt. Im Museumsareal wurden somit in den letzten Jahren insgesamt ein Wohnstallgebäude, zwei Grubenhäuser, ein Hochspeicher, eine Backhütte, eine Keramikwerkstätte, eine Räucheranlage sowie eine Brücke und Umzäunungen errichtet. Die Rekonstruktionen und auch die Einrichtungsgegenstände beruhen soweit wie möglich auf archäologischen Befunden der Römischen Kaiserzeit. Für das kommende Sommersemester 2001 wurde der Arbeitstitel "Vom archäologischen Experiment zur öffentlichen Präsentation" gewählt. Ziel dieses Arbeitsschwerpunkes soll es sein, die Möglichkeiten einer korrekten Präsentation von Experimenten in der Öffentlichkeit zu erarbeiten.

Des weiteren wurde beschlossen, eine Sonderausgabe der "Archäologie Österreichs" im Jahr 2001 mit dem Thema Experimentelle Archäologie zu veröffentlichen.

Am 15. Mai 2000 haben Mitglieder des Arbeitskreises am "Aktionstag für die Archäologie" der STRV Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte am Michaelerplatz teilgenommen und mit verschiedenen Ständen ihre experimentalarchäologische Arbeit präsentiert. Im Rahmen der Ausstellung "Die Steinzeit im Raume Melk" fanden am 4. Juni und am 24. September zwei "experimentelle" Nachmittage statt. Bestritten wurden diese von Mitgliedern des AK Paläolithikum. Präsentiert wurden (alt)steinzeitliche Techniken wie Feuermachen, Kochen in einem Kochgrübchen, Speerschleudern und Steingeräteherstellung.

Mathias Mehofer

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 12/3, 2001, 12–13.

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