Im vergangenen Studienjahr wurden wieder zahlreiche Aktivitäten durchgeführt. Als erste Veranstaltung des Jahres fand am 21. Jänner 2003 auf Einladung des AK Experimentelle Archäologie der Vortrag von Harm Paulsen, Landesmuseum Schleswig mit dem Titel "Die Möglichkeiten der Experimentellen Archäologie" statt, der außergewöhnlich gut besucht war. Anschließend daran wurde im April 2003 von Raimund Karl, Department of History and Welsh History, University of Wales Bangor, ein Vortrag zum Thema "Einfach nur Ignoranz oder doch bewusste Ablehnung? Theoretische Ansätze und ihre mangelnde Rezeption in der österreichischen Archäologie" gehalten, der ebenfalls sehr gut besucht war.

Im Mai 2004 konnte im Rahmen eines zur Lehrveranstaltung Experimentelle Archäologie gehörenden Diavortrages die Mitglieder des Arbeitskreises interessierten Studenten ihre Arbeitsgebiete näher bringen. Von 31. Mai bis 1. Juni 2004 fand die Eröffnung der AußensteIle des Naturhistorischen Museums Archäologisches Zentrum "Alte Schmiede" statt, in dessen Rahmen Mitglieder des Arbeitskreises verschiedene Handwerkstechniken wie Holzbau, Keramikverarbeitung, Schmieden, Bronzeguss, Textilverarbeitung und Lederherstellung zeigten. Im Gebäude des Archäologischen Zentrums wurde zudem von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums eine Schmiede, eine Tischlerwerkstatt sowie ein Arbeitsraum eingerichtet und den Mitgliedern des AK für ihre Experimente zur Verfügung gestellt.

Die Lehrveranstaltung "Experimentelle Archäologie" fand vom 30. Juni bis 03. Juli 2003 unter der Leitung von Dr. Helmut Windl und Mag. Hannes Herdits im Museum für Urgeschichte Asparn/Zaya statt. Schwerpunkte waren die Textilverarbeitung, Keramikproduktion, Eisenverhüttung, Eisenverarbeitung, Guss von Bronzeobjekten in verlorener Form, Herstellung von Objekten aus Horn und Hirschgeweih, Produktion von Glasperlen nach latenezeitlichen Vorbildern sowie Versuche zur Nahrungsmittelproduktion. Weiters wurde ein Rennofen nach einem Befund aus der frühmittelalterlichen Siedlung Zillingtal rekonstruiert. Ziel der Lehrveranstaltung war es, die Studenten mit den Methoden, den Möglichkeiten, der Arbeitsweise und den Fragestellungen der Experimentellen Archäologie vertraut zu machen. Während dieser dreitägigen Lehrveranstaltung waren auch Studenten des Studienganges Archäometrie / Bergakademie Freiberg / Deutschland anwesend. Wie schon in den letzten Jahren wurden die Versuche zur Lederverarbeitung fortgesetzt. Heuer wurden Verarbeitungsversuche mit Kalbshaut durchgeführt. Vor allem der Zwischenschritt des Entfleischens stand im Vordergrund und wurde mit verschiedenen Techniken durchgeführt. Das so hergestellte Leder wurde dann entsprechend weiterverarbeitet. Ebenso wurden die intensiven Versuche zur Rekonstruktion der Herstellungstechnik urgeschichtlicher Keramik fortgesetzt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Aufbautechnik und die Oberflächenbehandlung sowie die Verwendbarkeit der Keramik gelegt.

Am 2. und 3. August 2003 fand das Keltenfest Mitterkirchen (OÖ.) statt. Während dieser beiden Tage wurde von Mitgliedern des Arbeitskreises eine große Bandbreite an Handwerkstechniken gezeigt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Während der Sommermonate wurde im steirischen Großklein ein Siedlungsausschnitt der Hallstattzeit (HaC) rekonstruiert. Dabei wurde mit authentischen Werkzeugen (endständiges Lappenbeil, Lappendechsel, Stemmbeitel, Ziehmesser) ein Wohnhaus mit 8 x 5 Metern Grundfläche in Blockbauweise auf Steinfundamenten errichtet und dessen Roffendachkonstruktion mit Lerchenschindeln gedeckt. Der aufgestelzte Getreidespeicher mit Abmessungen von 3 x 3 Metern wurde aus flächig überarbeiteten Bauhölzern mit Flechtwerkwänden gebaut. Weiters wird in der kommenden Bausaison dieser im Rahmen der Steirischen Landesausstellung 2004 stattfindenden Bautätigkeit ein Webhaus und eine Brotbackhütte diesem Ensemble hinzugefügt werden.
Von Mitgliedern des Arbeitskreises wurde heuer in der keltischen Siedlung von Schwarzenbach (NÖ.) ein großes Wohnhaus (6 x 10 m) gebaut. Die Hauskonstruktion orientiert sich an den während der Ausgrabung 1997/98 in dieser Wallanlage ergrabenen Befunde. Dieser Schwellenbau mit Ständerriegelkonstruktion ist auch zum Teil unterkellert. Im Haus soll keltisches Alltagsleben rekonstruiert werden, so sind nachgebaute Möbel als Einrichtung in das Konzept integriert. Weiters wurde vor Ort in der Keramikwerkstätte ein eingebauter Keramikbrennofen mit Lochtenne, Schürhals und Kuppel errichtet.

Vom 10. bis 12. Oktober 2003 wurde vom Arbeitskreis Experimentelle Archäologie die erste Internationale Tagung zur Experimentellen Archäologie in Europa veranstaltet (www.oegufac.at/exar2003/). Während dieser Tagung des neu gegründeten Vereins EXAR (www.exar.org) wurden im Rahmen von sehr hochwertigen Vorträgen Experimente zur Kupferverarbeitung, Holzbau, Keramikproduktion, Textilverarbeitung und Eisenverhüttung gezeigt, um nur einige zu nennen. Zu dieser Tagung konnten ca. 135 Teilnehmer aus über zwölf verschiedenen Ländern wie etwa der Ukraine, Schottland, Philipinen, Großbritannien, Frankreich, Polen, Deutschland, Italien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Finnland, Italien, Niederlande, Schweiz, Tschechien und Griechenland begrüßt werden.

Während des vergangenen Jahres haben Mitglieder des Arbeitskreise an verschiedenen Festaktivitäten wie etwa dem Keltenfest in Asparn/Zaya teilgenommen und dabei mit verschiedenen Ständen ihre experimentalarchäologische Arbeit einem breiten Publikum präsentiert.

Mathias Mehofer

 

Aus: Mitteilungsblatt Archäologie Österreichs 15/3, 2004, 6–7.

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